Eine überraschende Wende

Weihnachten steht vor der Tür. Jedes Jahr das gleiche Fest. Und doch immer wieder neu. Las-sen wir uns von dieser Geburt noch überraschen und verzaubern?

Störungen beim Lesen können Unerwartetes mit sich bringen.
Foto: Elena Fetisova/shutterstock

Obwohl Weihnachtsmärkte, Dekorationen, Lieder und Beleuchtungen schon längst auf das bevorstehende Fest hindeuten, passiert es, dass im Alltagstrott die Zeit vergessen geht und Weihnachten -schneller als uns lieb - schon vorbei ist. Die Geburt Jesu ist ein Fest, das uns berühren will und doch perlt es im Getümmel des Adventsstresses von uns ab.

Überraschende Verkündigung

Gerade wenn wir gestresst sind, ausgelaugt unseren Alltag bestreiten oder abgelenkt einfach so dahinleben, kann Weihnachten dieüberraschende und verwandelnde Wende sein. Wie dies Franz Hohler in seiner wunderschönen Kurzgeschichte «Die Verkündigung» beschreibt: Wir sitzen im Zug, geniessen die Fahrt, vertieft in unser Buch. Da klingelt nebenan ein Handy. Genervt über das laute Gespräch, das gleich beginnen wird, wissend, dass es mit der Ruhe vorbei ist, sind wir schon fast gezwungen mitzuhören. Doch beim Telefonat geht es nicht um das nächste Meeting, um Tratsch oder sonstige Banalitäten. Der Fahrgast nebenan 

erfährt, dass seine Freunde Eltern geworden sind.

Ein Schimmer von Rührung

Mitten im Alltag, auf unserer gewohnten Zugstrecke, kommt es zu einer überraschenden Wende, wie Franz Hohler am Schluss seiner Geschichte festhält: «Und über uns alle, die wir in der Nähe sitzen und durch das Gespräch abgelenkt und gestört werden, huscht ein Schimmer von Rührung, denn soeben haben wir die uralte Botschaft vernommen, dass uns ein Kind geboren wurde.»

Das Pfarreiteam der Franziskanerkirche wünscht Ihnen von Herzen einen solch überraschenden «Schimmer von Rührung», der einen alltäglichen Augenblick zu einem unerwarteten Wunder werden lässt.

Simone Parise

Pfarreiseelsorger
 

Kurzgeschichte

DieKurzgeschichte ist abgedruckt in:
«Das Ende eines ganz normalen Tages», von Franz Hohler, erschienen im
Luchterhand Verlag, 2008, S. 9.

Jetzt teilen