Erinnerung wachhalten

Die biblischen Texte der Karwoche und Ostern bergen eine grosse Kraft und können auch unser Leben verändern.

Foto: Michael Zeier-Rast

«Eine Erzählgemeinschaft mit einer gefährlichen Erinnerung» – so beschreibt der Theologe Johann Baptist Metz die Kirche. Wenn wir in der Karwoche von den letzten Tagen Jesu erzählen und die Ostergeschichten hören, dann tun wir mehr, als alte Texte zu lesen. Wir halten eine Erinnerung wach, die Kraft hat, unser Leben zu verändern.

Die Botschaft aufleben lassen
Kirche lebt davon, dass sie sich die Geschichten von und über Jesus immer neu erzählt. Nur so bleibt er gegenwärtig mit seinen Worten, seinen Taten, seinem Umgang mit den Menschen. Und so bleibt seine Botschaft lebendig. Warum soll die gelebte Erinnerung an Jesus gefährlich sein? Weil sie unsere gängigen Erwartungen durchkreuzt; weil wir in die Kreuzesnachfolge hineingezogen werden; weil sie das Potenzial hat, unser ganzes Leben zu verändern.

Unseren eigenen Platz finden
Die Leidensgeschichten der Evangelien zeigen keinen bequemen Weg, sondern den Weg der Hingabe bis ans Kreuz. Sie laden uns ein, unseren eigenen Platz in dieser Geschichte zu suchen: bei den Jubelnden, den Zweifelnden, den Mitläufern – oder bei denen, die unter dem Kreuz ausharren. Wir können uns in die Gottesdienste der Karwoche durch Gebete, Lieder, Stille und Betrachtung einbringen. So wird aus dem Zuhören ein Mitgehen, aus dem Erinnern ein persönliches Bekenntnis.

Spüren und erleben was Glauben heisst
Es wäre schön, wenn wir nach dem Mitfeiern der Karwoche sagen können: Ich habe eine Spur tiefer in meinen Glauben gefunden. Ich habe neu gespürt, was Christsein heisst. Und ich habe nicht nur etwas gehört, sondern auch etwas gespürt und erlebt von der Befreiung und Erlösung, die mir durch Tod und Auferstehung Jesu geschenkt ist.

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