Glück–zerbrechlich wie Glas

Zerbrechlich… Foto: Franziska Müller
Über die Vergänglichkeit des Glücks haben Philosophen aller Zeiten gerätselt – angefangen bei Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik. Die glücklichste Phase im Leben, die mit viel Spass einhergeht, ist die Jugendzeit voller Tatendrang, Neugier, Kraft und Möglichkeiten, vieles auszuprobieren. Die mittlere Lebensphase impliziert am wenigsten Spass; die Zeit der Berufsfindung, gestalten der Beziehungen und der Kindererziehung. Die Last der Verantwortung in Beruf und für die Kinder ist eher Stress- als Spassbehaftet. Viel besser kann es wieder werden in der dritten Lebensphase, wenn der Druck von aussen abfällt und auf Erreichtes zurückgeblickt werden darf.
Spassbremsen
Ich kann mir alles online bestellen und muss nicht aus dem Haus. Aber das hat nicht den Spassfaktor wie durch Gassen zu bummeln und sich von der Schönheit und Buntheit der Menschen und der Dinge verzaubern zu lassen. Es ist schwieriger, allein Spass zu haben als mit anderen zusammen. Nicht nur die Liebe verdoppelt sich, wenn man sie teilt, sondern auch bekanntlich die Freude.
Das Überangebot der Unterhaltungsindustrie und der digitale Dschungel überfordern. Face-News und Künstliche Intelligenz (KI) sind Stressfaktoren. Vor allem Jugendliche, noch labil und nicht mit ausgereiftem Selbstwert ausgestattet, sind unglücklich, wenn sie nicht dem Schönheitsideal entsprechen.
Glücksrezepte
Kennen Sie Hans im Glück und das Märchen von den Sterntalern? Hans im Glück tauscht seinen Goldklumpen soweit ein, bis er mit leeren Händen nach Hause zu seiner Mutter zurückkommt. Das Mädchen gibt alles weg bis auf das letzte Hemd, am Ende fallen ihr die Sterne wie Goldtaler zu. Letztlich geht es beim Glück in die Richtung der franziskanischen Spiritualität, um den Wert des Da-Seins vor Gott, den Menschen und mir selbst: «Haben oder Sein» - um es mit Erich Fromm auf den Punkt zu bringen.
Gudrun Dötsch
Pfarreileiterin