In der Gesellschaft wirken dank guter Finanzlage

Der Grosse Kirchenrat der Katholischen Kirchgemeinde Luzern verabschiedete für das Jahr 2023 ein ausgeglichenes Budget. Am Vortag des Festes Mariä Empfängnis tagte das Kirchgemeindeparlament zum ersten Mal im neuen Quartierzentrum Wesemlin.

Der Grosse Kirchenrat tagte im neuen Quartierzentrum Wesemlin

Vor vier Jahren sprach der Grosse Kirchenrat den Baukredit für das neue Quartierzentrum Wesemlin, damals noch im alten, in die Jahre gekommenen «Wäsmeli-Träff». Mittlerweile steht an dieser Stelle ein moderner, multifunktionaler Neubau mit 26 Wohnungen, verschiedenen Läden sowie Zentrumsräumen. Naheliegend also, dass sich das 30-köpfige Kirchgemeindeparlament im grossen Saal des Quartierzentrums zu seiner ersten Planungssitzung der Legislatur traf.

Dabei nahm der Grosse Kirchenrat das Budget 2023 einstimmig an. Dieses rechnet mit einem Gesamtaufwand von 29'283'750 Franken und einem kleinen Plus von 35'050 Franken. Kirchmeierin Stephanie Plersch Jurt zeigte sich erfreut: «Die Katholische Kirche Stadt Luzern kann aufgrund der positiven Ertragsentwicklung weiterhin ihre wichtige Funktion innerhalb der Gesellschaft wahrnehmen, indem sie Partner und verschiedene Organisationen massgeblich unterstützt.» Insgesamt gehen 4.68 Millionen Franken an sogenannte externe Leistungserbringende, über 2 Millionen Franken davon sind freiwillige Beiträge an Organisationen aus den Bereichen Seelsorge, Soziales, oder Jugendarbeit.

Die Ertragsaussichten für die Planjahre 2024 bis 2027 sind weiterhin gut. «Die Geldflüsse sind über die nächsten Jahre positiv», stellte die Kirchmeierin fest. Der Steuerfuss für die Kirchensteuer im Jahr 2023 wurde bei 0.25 Einheiten belassen. Dieser sei nötig, «damit wir auch weiterhin ein ausgeglichenes Budget erreichen können», so Stephanie Plersch Jurt und sie betonte: «Mit diesem Steuerfuss steht man im interkantonalen Vergleich positiv da.»

Motion fordert Reglement für Wahlen

Zu diskutieren gaben zwei parlamentarische Motionen, die im Nachgang zu den diesjährigen Parlaments- und Kirchenratswahlen eingereicht wurden. Die eine befasste sich mit Fragen zum Wahlprozedere und forderte die Erarbeitung eines «Reglements für Wahlen und die Ausübung demokratischer Rechte». In seiner Antwort auf die Motion erwähnte der Kirchenrat, die Anliegen der Motionäre würden gehört und aufgenommen, er empfahl aber dennoch Ablehnung. Beim Wahlprozedere sei ein wichtiger Teil der Anliegen der Motionäre «de facto bereits erfüllt». Dennoch regte der Kirchenrat die Bildung einer Arbeitsgruppe an, die «wichtige Fragen rund um das Wahlprozedere klären und damit Wahlen künftig einfacher und transparenter gestalten» soll.

Mehrere Ratsmitglieder sprachen sich für die Annahme der Motion aus. Ein Wahlreglement sei nötig, weil es «transparente Abläufe» sicherstellen soll, wie Mitunterzeichner Thomas Bienz sagte. Schliesslich erklärte der Rat die Motion mit 18 zu 5 Stimmen als erheblich.

Die zweite Motion forderte eine Änderung der Gemeindeordnung der Kirchgemeinde mit dem Ziel einer stärkeren demokratischen Beteiligung der Kirchgemeindemitglieder. So sollte etwa die für das Zustandekommen einer Gemeindeinitiative erforderlicher Anzahl Unterschriften von 1000 auf 300 reduziert oder für Mitglieder des Kirchenrates eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren eingeführt werden. Auch diese Motion empfahl der Kirchenrat zur Ablehnung, da keine Dringlichkeit der formulierten Anliegen gegeben sei. Hintergrund ist ein mögliches Zusammengehen der drei Kirchgemeinden Littau, Luzern und Reussbühl in absehbarer Zukunft, dem eine grundlegende Überarbeitung der Gemeindeordnung vorausgehen und über das an der Urne abgestimmt werden müsste. Das Parlament folgte dieser Argumentation und erklärte die Motion für nicht erheblich.

Soziale Nöte abfedern - 500'000 stehen bereit

Im informellen Teil orientierte Kirchmeierin Stephanie Plersch Jurt über Beiträge der Kirchgemeinde zur Linderung sozialer Nöte in der Stadt Luzern, deren Ursachen in verschiedenen gegenwärtigen Krisen wie dem Ukrainekrieg oder der Teuerung liegen. Dafür stehen aufgrund einer im Mai vom Grossen Kirchenrat verabschiedeten dringlichen Motion 500'000 Franken aus dem laufenden Budget für Projekte bereit, die vorwiegend in Luzern wohnhaften Menschen zugutekommen sollen. Gesprochen wurden bisher folgende Beträge in der Höhe von insgesamt 410'000 Franken:

  • 90'000 Franken für das Kultur- und Begegnungszentrum für Ukrainer:innen Prostir (www.prostir.ch);
  • 20'000 Franken für das Lernatelier Luzern mit niederschwelligen Sprachangeboten für Migrant:innen und Geflüchtete (www.lernatelierluzern.ch);
  • 10'000 Franken für die Projektstelle zur Koordination von Ukraine-Aktivitäten der Katholischen Kirche Stadt Luzern (www.kathluzern.ch/meine-kirche/fachbereiche/migration-integration)
  • 150'000 Franken zur Finanzierung von ÖV-Abos für Geflüchtete in der Stadt Luzern mit dem Ziel der Integration durch eine gesteigerte Mobilität.
  • 140'000 Franken für ein Projekt von Caritas Luzern zur Stellenvermittlung für Ukrainer:innen (Informationen von Caritas Luzern).

Nebst den bereits bewilligten Geldern stehen noch 90'000 Franken zur Verfügung. In den nächsten Wochen wird über weitere bis zur Eingabefrist vom 15. Dezember eingereichte Gesuche beraten und entschieden.

Kirchgemeinde neu mit Umweltlabel «Grüner Güggel»

Karin Weber, Leiterin Fachbereich Nachhaltige Entwicklung, informierte über die Ende November erfolgte Zertifizierung der Kirchgemeinde mit dem Umweltmanagementsystem «Grüner Güggel». Die Zertifizierung bildet den Abschluss eines breit abgestützten zweijährigen Prozesses. Ein zentraler Punkt ist die Reduktion der Emissionen kircheneigener Gebäude. Diese sollen bis ins Jahr 2030 um 50 Prozent gesenkt werden. Nebst weiteren Massnahmen zur Förderung der Nachhaltigkeit will die Kirchgemeinde das Bewusstsein für umweltgerechtes Handeln fördern, zum Beispiel durch interne Schulungen. Bereits jetzt tragen Mitarbeitende, sogenannte «Green Leaders», Umweltthemen in die Teams aller acht Pfarreien und sensibilisieren Kolleginnen und Kollegen. Rund um Kirchen und Pfarreiheime werden bis 2027 Grünflächen ökologisch aufgewertet, etwa indem einheimische Pflanzenarten gefördert oder Lebensräume für Tiere geschaffen werden.

Weitere Informationen und ein Animationsvideo zur Zertifizierung der Katholischen Kirchgemeinde Luzern mit dem Grünen Güggel unter: www.kathluzern.ch/nachhaltig-engagiert-zertifiziert

Mentari Baumann und Valentin Beck stellten das Engagement der Allianz "Gleichwürdig Katholisch" für eine gleichberechtigte, glaubwürdige und solidarische katholische Kirche.vor. In einer informellen Abstimmung sprach sich der Grosse Kirchenrat für einen Beitritt der Katholischen Kirche Stadt Luzern zur Allianz aus.

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