Katholische Kirche startet Projekt «Karl Plus»

Die Katholische Kirche Stadt Luzern thematisiert seit zwei Jahren im Projekt «Neuraum» in grundsätzlicher Weise Fragen nach der Zukunft ihrer Räume. Aufgrund einer Anfrage von Caritas Luzern hat sie nun ein weiteres Projekt lanciert, das sich konkret mit einer möglichen Umnutzung von Räumen am Standort St. Karl befasst.

Die Kirche St. Karl in Luzern liegt direkt an der Reuss. Das Ensemble besitzt viel Potenzial für die Zukunft. Foto: Daniela Burkart

Die zahlreichen Räume der Katholischen Kirche sind auf mehr als acht Standorte über die ganze Stadt Luzern verteilt. Sie werden von breiten Kreisen, auch von kirchenfernen und nicht katholischen Mitmenschen, rege genutzt. Die Räume sind wichtige Treffpunkte und Veranstaltungsorte – fest verankert in den Quartieren. Herausfordernd ist für die Kirche die Frage, wie sie einerseits die eigenen Strukturen den sich veränderten Realitäten sinkender Mitgliederzahlen anpassen und andererseits als aktive, agile und lebendige Kirchen vor Ort bei den Menschen präsent bleiben kann.

Die Kirchenraustritte sind so hoch wie noch nie, die Zahl der Katholikinnen und Katholiken sinkt kontinuierlich. Die Infrastruktur der Katholischen Kirche Stadt Luzern ist auf Mitgliederzahlen aus früheren Jahrzehnten ausgelegt. Das Thema der Umnutzung von Räumen drängt sich insbesondere dann auf, wenn Investitionen anstehen. Bei Investitionen ist es besonders wichtig zu klären, wie die Katholische Kirche Stadt Luzern künftig ihre wichtigen Aufgaben erbringen kann und wie ihre Räume ausgestaltet sein müssen, damit sie ihr Wirken optimal ermöglichen. Eine weitere Frage: Wie geht die Katholische Kirche Stadt Luzern vor, wenn eine konkrete Anfrage für die Mit- oder Umnutzung von Räumen an sie herangetragen wird?

Zur Erarbeitung von Grundlagendokumenten im Umgang mit diesen komplexen Fragestellungen hat die Katholische Kirche Stadt Luzern vor zwei Jahren das Projekt «Neuraum» gestartet. Der Projektabschluss steht zur Jahresmitte bevor.

Kirche prüft Anfrage von Caritas Luzern am Standort St. Karl

Im Kontext von «Neuraum» wurde die Katholische Kirche Stadt Luzern von Caritas Luzern kontaktiert. Die der Kirche nahestehende Organisation sucht für diverse Angebote kurz-, mittel- und langfristig zentrumsnahe Räumlichkeiten. Betroffen sind Angebote wie die Sozial- und Schuldenberatung, diverse Bildungsangebote oder auch das Lebensmittelgeschäft «Caritas Markt» sowie das Brocki & Secondhand «Caritas Wohnen».

Nach ersten Gesprächen und Besichtigungen wurde aus Sicht von Caritas Luzern St. Karl als möglicher Standort für Angebote von Caritas favorisiert. Die Leitungsgremien der Katholischen Kirche Stadt Luzern (Kirchenrat und Pastoralraumteam) haben entschieden, am Standort St. Karl eine allfällige Mit- und Umnutzung umfassend zu prüfen.

Mit dem Projekt «Karl Plus» werden in einer ersten Phase Entscheidungsgrundlagen zur Weiterentwicklung der Pfarrei sowie zur Machbarkeit möglicher Umnutzungsideen erarbeitet. Im Herbst will die Katholische Kirche Stadt Luzern dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Am Standort St. Karl stehen Investitionen in die Infrastruktur an. Parallel dazu plant die Stadt die Quartierentwicklung. «Es ist eine grosse Chance, dass mit der Anfrage von Caritas und den Projektideen der Quartier- und Stadtentwicklung neue Aspekte in die Weiterentwicklung im St. Karl einfliessen», betont Claudia Nuber, Mitglied des Pastoralraumteams (Leitungsgremium Pastoralraum) der Katholischen Kirche Stadt Luzern.

Die Finanzen der Katholischen Kirche sind solide und gesund. «Es ist wichtig, dass wir aus der Position der Stärke und Handlungsfreiheit agieren können», erklärt Kirchenrat André Bachmann und ergänzt: «Unter Zwang werden die Lösungen nicht kreativer und sicherlich auch nicht besser.»

Veränderungsprozesse brauchen Zeit

Sowohl für die Gesamtprojektleitung wie auch für den Entwicklungsprozess am Standort St. Karl investiert die Kirchgemeinde in externe und unabhängige Spezialisten. Veränderungsprozesse brauchen ihre Zeit. «Es ist uns sehr wichtig, Bewährtes zu erhalten und zu pflegen und neuen Ideen eine Chance zu geben. Wir wollen als Pfarrei weiterhin unseren Beitrag zu einem lebendigen Quartier leisten», fasst Armin Huber, Standortleiter St. Karl, seine Erwartung an das Projekt zusammen.

Bereits jetzt und unabhängig vom Projekt «Karl Plus» sucht Caritas Luzern neue Räumlichkeiten für den Markt und das Brocki, weil sie den Standort an der Bleicherstrasse 10 bis in einem Jahr aufgrund eines Neubauprojekts aufgeben muss.

Weitere Informationen folgen mit dem Abschluss des Projekts «Neuraum» in diesem Sommer und nach Vorliegen erster Ergebnisse aus dem Projekt «Karl Plus» im Herbst.

Jetzt teilen