Licht in die Welt tragen

Bild: Hans Holbein der Ältere, Darstellung des Herrn, 1501
Foto: Wikimedia
40 Tage nach Weihnachten feiert die Kirche das Fest der Darstellung des Herrn. Dieses Fest geht auf einen alten jüdischen Brauch zurück. Der erstgeborene Sohn wurde im Tempel symbolisch dem Priester übergeben («dargestellt»). Dies in Erinnerung an die Nacht des Auszugs aus Ägypten. Das Erstgeborene gehört Gott und ist ihm geweiht.
Licht und Natur
Das Fest der Darstellung des Herrn ist vielen auch unter dem Namen «Mariä Lichtmess» bekannt. Christus ist das Licht der Welt. Deshalb begleiten die Gläubigen das Kommen Christi in die Welt mit einer Lichterprozession und dem Segnen der Kerzen.
Zudem ist das Fest auch mit dem Wachstumszyklus in der Natur verbunden. Anfang Februar kann in der Landwirtschaft je nach Wetter wieder mit der Feldarbeit begonnen werden. Als Bauernregel gilt:
Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.
Aus der Hand geben
Der Maler Hans Holbein der Ältere hält in seinem Werk den Moment fest, in dem Maria dem greisen Simeon Jesus übergibt. Dieser
wird das Kind auf seinen Arm nehmen und die bekannten Worte sprechen: «Nun lässt du deinen Diener in Frieden gehen, denn meine Augen haben das Heil der Welt gesehen.»
Der Maler zeigt uns eine Maria, die tief mit ihrem Kind verbunden ist und es dennoch mit einer entschiedenen Geste aus der Hand gibt.
Das Jesuskind sieht auf dem Bild klein und zerbrechlich aus. Der Friedefürst kommt nicht gross daher, mit Macht und Geld. Die Kennzeichen seiner Herrschaft sind von anderer Art: Mitgefühl, Vergebung, Liebe.
Zum Heil der Welt – auch heute
Maria überreicht der hoffenden Menschheit ihr Kind, ihren Sohn, Gottes Sohn. Sie tut es wohl mit schwerem Herzen, aber sie tut es, damit Christus zum Heil und zum Segen werde für die Welt. Noch heute!
Und wir? Wir werden heute gewahr wie vollkommen anders – im Vergleich zu den aktuellen Heilsbringern – Gott Heil und Segen in die Welt bringen will. Die Frage ist: Was überreichen wir als Kirche der hoffenden Welt?
Markus Sahli, Gastprediger in der Franziskanerkirche