Mit einer halben Million soziale Not lindern

Seit August 2022 unterstützt Caritas Luzern ukrainische Geflüchtete bei der Stellensuche. Wie kann Caritas konkret helfen?
Karin Hunziker: Im Projekt «Starthilfe Arbeitsmarkt» unterstützen wir Geflüchtete aus der Ukraine beim Einstieg in die Arbeitswelt. Der Bedarf und die Erfahrungen, die diese Menschen mitbringen, sind sehr unterschiedlich. Deshalb arbeiten wir mit einem Phasenmodell: Interessierte bekommen bei uns Informationen zum Arbeitsmarkt, können an Bewerbungsworkshops teilnehmen oder erhalten Inputs zur Stellensuche. In Einzelcoachings begleiten wir individuell und prüfen mögliche weitere Schritte, um dem Ziel, dem Einstieg in den Arbeitsmarkt, näherzukommen.
War das Projekt bisher erfolgreich?
Wir kommen mit vielen Menschen vorwärts, aber man darf keine Wunder erwarten. Stellenvermittlung ist zwar das Ziel, jedoch nicht bei allen. Da die öffentliche Hand für Schutzstatus S keine Arbeitsintegrationsaufgaben leistet, geht es bei vielen um eine Start- und Orientierungshilfe. Wie funktioniert unsere Arbeitswelt? Wie muss eine Bewerbung aussehen? Was wird erwartet? Damit leisten wir einen ersten wichtigen Beitrag, damit ein späterer Stellenantritt gelingen kann. Für einige reichen BasisIn Formationen und ein gutes Bewerbungsdossier. Sie gehen danach selbstständig auf Stellensuche. Andere benötigen Begleitung oder nehmen auch Angebote wie beispielsweise einen Brancheneinblick gerne in Anspruch.
Welche Herausforderungen stellen sich für die Menschen aus der Ukraine bei der Stellensuche?
Die grösste Hürde sehen wir bei der Sprache. Sie ist ein wesentlicher Faktor für die Integration. Leider reichen die Sprachkenntnisse oft noch nicht für den Arbeitsmarkt. Selbst bei einfachen Tätigkeiten muss eine Verständigung möglich sein, weil sonst eine Zusammenarbeit nur schwer gelingt. Gerade bei Kontakt mit Kund:innen, etwa in der Gastronomie, braucht es ein gutes Verständigungsniveau. Eine weitere Hürde ist die Anerkennung von Ausbildungen. Die Verfahren dauern oft sehr lange, bis die nötigen Nachweise vorliegen.
Der Schutzstatus S ist «rückkehrorientiert». Weshalb sollen Menschen arbeiten, die früher oder später in ihre Heimat zurückehren?
Ob und wann die geflüchteten Personen zurückkehren, ist momentan sehr unklar. Zudem geht es bei der Arbeitsintegration um mehr, nämlich um Tagesstruktur, darum, aus den Unterkünften herauszukommen oder eigenes Geld zu verdienen. Zudem hilft die Arbeit, die Sprachkenntnisse zu verbessern, mit Menschen in Kontakt zu kommen, etwas beizutragen. Etwas Sinnvolles zu tun ist gut für die Psyche und lenkt von der Situation zu Hause ab. Eventuell hilft die hier gemachte Arbeitserfahrung auch im Heimatland. Beispielsweise für eine künftige Tätigkeit bei einem international tätigen Arbeitgeber.
Soziale Nöte auffangen
Im Mai 2022 sprach der Grosse Kirchenrat, das Kirchgemeindeparlament, 500 000 Franken für Projekte zur «Linderung sozialer Nöte», die in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine oder anderen aktuellen Krisen stehen. Diesem Zweck entsprechende Projekte konnten bis zum 15. Dezember 2022 eingereicht werden und wurden von einer vom Kirchenrat eingesetzten Kommission beurteilt. Über Projektgesuche mit einem Volumen bis 50 000 Franken konnte die Kommission befinden. Über höhere Projektbeträge entschied der Kirchenrat auf Antrag der Kommission.
- Kultur- und Begegnungszentrum für Ukrainer:innen Prostir; 90 000 Franken; prostir.ch
- Lernatelier Luzern mit niederschwelligen Sprachangeboten für Migrant:innen und Geflüchtete; 20 000 Franken; lernatelierluzern.ch
- Projektstelle zur Koordination von Ukraine-Aktivitäten der Katholischen Kirche Stadt Luzern; 10 000 Franken; kathluzern.ch/migration-integration
- Finanzierung von ÖV-Abos für Geflüchtete in der Stadt Luzern mit dem Ziel der Integration durch gesteigerte Mobilität; 150 000 Franken
- Starthilfe in den Arbeitsmarkt für Ukrainer:innen von Caritas Luzern; 140 000 Franken; caritas-luzern.ch
- Sentitreff Luzern, verschiedene Projekte; 5000 Franken; sentitreff.ch
- Begegnungsort «LUkrania» in Kriens; 40 000 Franken; lukraina.ch
- Beratungsangebot für Stellensuchende, Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH Zentralschweiz; 10 000 Franken; sah-zentralschweiz.ch/ bewerbungsunterstuetzung.html
- Pilotprojekt «WohnTandem» der Genossenschaft Zeitgut, in Zusammenarbeit mit dem Verein HelloWelcome; 20 000 Franken; zeitgut-luzern.ch
- Verein Jobdach. Unterstützung im Zusammenhang mit dem Schädlingsbefall an der Murbacherstrasse; 10 000 Franken; jobdach.ch