Nachlese

„mission statement“ Predigt zu Lukas 4, 14-21 Pfrn. Verena Sollberger Franziskanerkirche Luzern 22./23. Januar 2022 (Kanzeltausch im Rahmen der Einheitswoche)

Sie kennen ihn bestimmt, diesen Slogan: «Haribo macht Kinder froh,……. und Erwachsne ebenso!» Seit den 60er-Jahren wirbt die Firma Haribo mit diesem Slogan für ihre Produkte. Er wurde seither nie verändert oder angepasst. Er funktioniert auch nach 60 Jahren noch immer perfekt. Denn der Slogan bringt mit wenigen Worten auf den Punkt, worum es bei den Produkten der Firma geht: sie wollen Freude vermitteln. Wollen froh machen.
Viele Unternehmen haben einen Slogan. Je einprägsamer, desto besser, desto höher der Erkennungswert.

Ein Slogan ist kurz, knapp und knackig. Etwas mehr Fleisch am Knochen hat dann ein sog. «mission statement», also eine Missionserklärung. Darin kommt- immer noch prägnant und knapp- die Philosophie des Unternehmens zum Ausdruck. Also: Was zeichnet uns aus? Worum geht es uns? Wofür tun wir, was wir tun? Was sind unsere Ziele?

Ein solches «mission statement» haben wir gerade eben gehört. Nämlich in der Lesung aus dem Lukasevangelium.
Zum ersten Mal tritt Jesus in seiner Heimatstadt, in Nazareth, in der Synagoge auf. Und er bringt mit seiner Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja auf den Punkt, was seine Mission, sein Auftrag ist:
»Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Das ist mein Auftrag: Den Armen soll ich die gute Nachricht bringen. Den Gefangenen soll ich zurufen, dass sie frei sind, und den Blinden, dass sie sehen werden. Den Unterdrückten soll ich die Freiheit bringen. Ich soll verkünden: Jetzt beginnt das Jahr, in dem der Herr Gnade schenkt.«
«Das ist mein Auftrag», sagt Jesus. «mein Auftrag von Gott: das Leid der Welt zu lindern, aufzulösen, und allen Menschen Leben in Fülle zu ermöglichen.»
Das ist Jesu Auftrag. Darum hat Gott ihn in diese Welt, zu uns gesandt. Und diesen Auftrag, den zieht er- das merken wir, wenn wir die Evangelien lesen- ohne Abstriche zu machen, durch. Bis zuletzt. Bis ans Kreuz.

Am Anfang seines Wirkens legt Jesus also mit klaren Worten offen auf den Tisch, wofür er von Gott in diese Welt geschickt wurde. Hätte er einen Slogan genützt, dann vielleicht diesen:  Jesus- Geisterfüllt.Gesalbt.Gesandt. Gute Nachricht für euch. Weil ihr es wert seid.
Was wir wissen müssen über ihn- in diesem Slogan ist alles gesagt.

«Das ist mein Auftrag», sagt Jesus.
Und was ist unser Auftrag? Heute? Als Kirche, dem Leib Christi? Als seine Nachfolger:innen? Wir sind von Jesus berufen, das weiterzuführen in dieser Welt, was er angefangen hat. Das «mission statement» von Jesus sollte dann eigentlich auch unser «mission statement» sein, oder?

Das heisst: Es ist auch unsere Aufgabe, aufzustehen gegen das Leid in dieser Welt, gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung, da zu sein für die Menschen, zu heilen, Schmerz zu lindern und zu erzählen von der guten Nachricht, die uns erfüllt und bewegt!
Ich glaube, dass wir alle das sehr oft tun. Natürlich nicht immer. In gewissen Situationen fehlt uns manchmal der Mut dazu. Vielleicht auch der lange Atem. Oder wir scheuen die Konsequenzen, die unser Tun hätte. Möchten uns nicht exponieren. Wollen nicht gegen den Strom, gegen den Mainstream schwimmen.
Darum ist es wohl ganz gut, wenn wir uns doch immer wieder einmal ganz bewusst an dieses «mission statement» erinnern. Denn es gibt Orientierung. Ist wie eine Leitplanke. Es ist der Boden, auf dem wir stehen. Wir können daran unser Wirken als Nachfolger:innen Jesu immer wieder justieren. Neu ausrichten. Fragen: Entspricht das, was wir tun, unserem eigentlichen Auftrag? Tun wir das Richtige? Das, was nottut? Tragen wir die gute Nachricht in die Welt? Sind wir da für die, die uns brauchen? Bringen wir Freiheit denen, die gefangen, unterdrückt sind?

Wofür tun wir, was wir tun? Das «mission statement» von Jesus hilft, auf diese Frage eine Antwort zu finden! Und unter den vielen möglichen Wegen, in dieser Welt unterwegs zu sein, den zu wählen, den auch Jesus gegangen ist. Leicht ist er nicht immer, dieser Weg. Manchmal verlangt er einiges an Mut. Zehrt an unseren Kräften. Lässt uns auch mal im rauen Gegenwird stehen.

Wie gut, dass wir in diesem Suchen und Fragen darum nicht alleine sind. Wir sind als Kirche, als Leib Christi unterwegs. Nicht als Einzelkämpfer:innen, sondern gemeinsam. Zusammen mit den anderen in den Leib Christi Hineingetauften. Um uns gegenseitig immer wieder zu ermutigen, diesem «mission statement» treu zu bleiben, trotz aller Widrigkeiten, und auf die Zusage zu vertrauen: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt- in all eurem Tun!

Das ist unser Auftrag: Den Armen die gute Nachricht bringen. Den Gefangenen zurufen, dass sie frei sind, und den Blinden, dass sie sehen werden. Den Unterdrückten die Freiheit bringen. Und verkünden: Jetzt beginnt das Jahr, in dem der Herr Gnade schenkt.

Ich wünsche uns, dass wir diesen Auftrag, dieses «mission statement» nie aus den Augen verlieren und unser Tun und Handeln als Nachfolger:innen Jesu immer wieder daran ausrichten.

Amen.

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