Nachlese

Die Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis von Bruder George Francis Xavier, Priesterlicher Mitarbeiter in der Pfarrei St. Maria zu Franziskanern.

Essenstransport in einem Heim für Obdachlose in Indien (Bild: Bruder George)

"Iss, trink und sei fröhlich"

Das heutige Evangelium ist der Ursprung des Spruchs "Iss, trink und sei fröhlich", der auf den ersten Blick ein guter Gedanke für die Sommerferien zu sein scheint. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich nicht um ein Evangelium handelt, das als leichte Sommerlektüre gedacht ist.

Die Lesungen schildern einen Konflikt zwischen dem Reichtum in den Augen der Welt und dem Reichtum in den Augen Gottes.

Bob Marley Interview

Einige der Worte des jamaikanischen Musikers Bob Marley sind zeitlos. In einem Interview im Jahr 1976 fragte ihn der Interviewer: Haben Sie mit Ihrer Musik einen Haufen Geld verdient?

Bob Marley antwortete: Geld! Wie viel ist für Sie ein Haufen Geld?

Interviewer: Das ist eine berechtigte Frage. Haben Sie, sagen wir, Millionen von Dollar verdient?

Bob Marley sagte: Nein!

Dann die nächste Frage des Interviewers: Sind Sie ein reicher Mann?

Bob Marley stellt eine Gegenfrage: Was meinen Sie mit reicher Mann?

Der Interviewer erklärt: Haben Sie viele Besitztümer, einen Haufen Geld auf der Bank?

Bob Marley: Macht Besitz Sie reich? Ich habe nicht diese Art von Reichtum; mein Reichtum ist das Leben!

Die meisten Leute glauben, dass er der erste war, der die bekannte Aussage machte: "Manche Leute sind so arm, dass sie nur Geld haben."

Jesus spricht über Geld

Im heutigen Evangelium spricht Jesus über Geld. Das Gleichnis vom reichen Narren enthält einige grundlegende Elemente aus der Weisheitstradition über die Torheit, das letzte Vertrauen in die Sicherheit des materiellen Besitzes zu setzen. Reichtum und Habgier sind dem Evangelium zufolge miteinander verbunden. Jesus weitet das Bild aus und spricht die grössere Frage an: "Nehmt euch in Acht! Hütet euch vor jeder Art von Habgier; denn das Leben besteht nicht in der Fülle des Besitzes."

Kohelet und Windhauch

Das beste Gegenmittel gegen Gier ist der Gedanke an den Tod. Alle Dinge in dieser Welt sind vergänglich. Das ist es, was Kohelet beklagte. Kohelet, was bedeutet "einer, der eine Schule leitet", war ein Philosoph, ein Realist. Seine einleitenden Worte, "alles ist Windhauch", sind das Thema seines Buches. Windhauch ist ein beliebtes Wort, das in diesem Buch 35-mal vorkommt.

Alles und jeder wird vergehen. Alle werden irgendwann sterben und dahingehen. Der Tod ist der grösste und beste Gleichmacher. Ein Zitat besagt: "Im Tod gibt es keine reichen Menschen, nur reiche Verwandte."

Dann lautet die Frage: Ist das Leben überhaupt ein Wert?

Natürlich ist es das.

Was macht es dann lebenswert?

In der heutigen Lesung wird uns nur gesagt, was das Leben nicht lebenswert macht. Es ist eindeutig nicht die Anhäufung von Besitz. Die Gier wird in den heutigen Lesungen zweimal als das Gegenteil dessen erwähnt, was wir im Leben anstreben sollten.

Gier ist eine geistige Krankheit, die viele davon überzeugt, dass das, was sie haben, nie genug ist. Sie macht süchtig.

Gleichnis

Jesus erzählt das Gleichnis von einem Mann, der Überfluss erlebte und dann gierig handelte.  Wie sollte er mit dem vermehrten Vermögen umgehen?

Seine Antwort: grössere Scheunen bauen, alles behalten.

Falsch!

Richtige Antwort: Die leeren Scheunen der Armen füllen, die bereits gebaut sind.

Diese Sichtweise der Gegenkultur Jesu ist nicht beliebt, und sie stösst in der Regel auf Zweifel und Skepsis. "Manche Menschen sind so arm, dass sie nur Geld haben." Diese Worte sind immer noch aktuell.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Die heutige Lesung ist eine wunderbare Gelegenheit für uns, unsere Perspektive neu auszurichten.

Ich möchte diese Predigt mit einem Gedicht von Werner Bergengruen mit dem Titel "Leben eines Mannes" abschliessen.

 

"Leben eines Mannes"

Gestern fuhr ich Fische fangen,
Heut bin ich zum Wein gegangen,


- Morgen bin ich tot –


Grüne, goldgeschuppte Fische,
Roten Pfützen auf dem Tische,
Rings um weisses Brot.

Gestern ist es Mai gewesen,
Heute wolln wir Verse lesen,
Morgen wolln wir Schweine stechen,
Würste machen, Äpfel brechen,
Pfundweis alle Bettler stopfen
Und auf pralle Bäuche klopfen


- Morgen bin ich tot –


Rosen setzen, Ulmen pflanzen,
Schlittenfahren, Fastnachs-Tanzen,
Netze flicken, Lauten rühren,
Häuser bauen, Kriege führen,
Frauen nehmen, Kinder zeugen,
Übermorgen Kniee beugen,
Übermorgen Knechte löhnen,
Übermorgen Gott versöhnen –


Morgen bin ich tot.

 

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