Weihnachtlicher Jubel und Innigkeit

Fotos: Kaspar Meier
Ein Konzert zum Mitsingen
Mit festlicher Stimmung und spürbarer Erwartung füllte sich die Pauluskirche Luzern am 28. Dezember zum 6. Luzerner Singalong. Rund 150 Sängerinnen und Sänger aus der Zentralschweiz und weiteren Landesteilen kamen zusammen, um gemeinsam mit ebenso vielen Zuhörenden Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium zu singen.
Nachdem Ulrike Grosch, Initiantin der Luzerner Mitsingkonzerte, aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig ausfiel, führte Stephen Smith, langjähriger Organist und Kantor der Matthäuskirche Luzern, den Singalong mit grosser Umsicht und musikalischer Präsenz. Der Grundgedanke dieses Formats wurde dabei eindrucksvoll erlebbar: Musik nicht nur zu hören, sondern aktiv selbst Teil des musikalischen Geschehens zu werden.
Die zeitlose Kraft des Weihnachtsoratoriums
Warum ist ausgerechnet dieses Werk bis heute so populär? Vielleicht, weil sich das Gefühl von Festlichkeit und Vorfreude bereits mit den ersten Takten des berühmten Eingangschors «Jauchzet, frohlocket» einstellt. Zugleich finden auch leisere weihnachtliche Empfindungen ihren Ausdruck: Innigkeit, Zartheit, Staunen und Dankbarkeit.
Ausgangspunkt ist die biblische Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus, ergänzt durch freie Dichtung. Bach verteilte sein Oratorium auf sechs Kantaten, die er an Weihnachten und Neujahr 1734/35 erstmals vollständig aufführte.
Gemeinsam singen, gemeinsam musizieren
Die Sängerinnen und Sänger hatten die Chöre und Choräle der Kantaten 1,2,5 und 6 zu Hause und in vorausgegangenen Proben einstudiert. Die Arien und Rezitative übernahmen die Luzerner Solistinnen und Solisten Kathrin Hottiger (Sopran), Ursina Patzen (Alt), Elias Winzeler (Tenor) und Andreas Schib (Bass).
Begleitet wurden sie vom Luzerner Singalong-Orchester unter der Konzertmeisterin Miriam Müller. Das Ensemble vereint Profi- und Amateurmusikerinnen und -musiker und verlieh dem Abend zugleich den Charakter eines musikalischen «Playalongs».
Klangliche Dramaturgie und geistliche Tiefe
Die gut zweistündige Aufführung zog Mitwirkende und Publikum gleichermassen in ihren Bann. Der strahlende Eingangschor «Jauchzet, frohlocket» eröffnete eine festliche Klangwelt, bevor der Choral «Wie soll ich dich empfangen» zu einer nach innen gerichteter Besinnung führte.
Der Engelsgesang «Ehre sei Gott in der Höhe» erfüllte den Raum mit Leichtigkeit und Trost, während die Worte an die Hirten spürbare Nähe und Wärme vermittelten. Mit der Bass-Arie aus der 5. Kantate «Erleucht auch meine finstre Sinnen» wurde die Erfahrung von Dunkelheit und göttlichem Licht eindringlich hörbar. In der letzten Kantate rückte die Überwindung des Bösen in den Vordergrund, verbunden mit der Zusage von Schutz und Frieden. Der kraftvolle Schlusschor «Nun seid ihr wohl gerochen» bündelte schliesslich alle Eindrücke zu einem Gefühl tiefer Geborgenheit.
Diese zentralen biblischen Themen berühren bis heute viele Menschen, denn sie erzählen von Liebe, Trost und Hoffnung – und von der Liebe, zu der Menschen selbst fähig sind. Im gemeinsamen Musizieren des Singalongs wurde diese Erfahrung besonders intensiv spürbar.
«Ich würde mich selbst nicht als besonders gläubig bezeichnen», sagte eine Mitsängerin. «Und doch berührt mich diese Musik, vielleicht, weil die Inhalte so nahbar sind. Mit der Symbolik von Finsternis und Licht kann jeder etwas anfangen. Es geht wohl darum, sich darauf einzulassen.»
Auch langjährige Teilnehmende erleben das Werk immer wieder neu: «Ich singe bereits zum sechsten Mal beim Singalong mit, und von der anfänglichen Faszination ist nichts verloren gegangen – im Gegenteil», sagt ein Mitsänger. «Je genauer man Bachs Weihnachtsoratorium kennenlernt, desto reicher wird es. Es wird nicht langweilig, sondern gleicht jedes Mal einer Entdeckungsreise, bei der sich immer neue Facetten eröffnen. Genau das ist für mich der Anspruch.»
Dank, Applaus und Gemeinschaft
Organisiert wurde der Anlass vom Franziskanerchor, der mit grossem Engagement den Rahmen für dieses besondere Mitsingkonzert schuf. Getragen wird das seit 2014 bestehende gesamtstädtische Musikprojekt von der Katholischen Kirchgemeinde Stadt Luzern, die damit ein kulturell wie gemeinschaftlich wertvolles Zeichen setzt.
Die Mischung aus Laien und Profis, die Offenheit der Mitwirkenden, und die musikalische Intensität machten auch dieses Konzert zu einem festlichen Ereignis und inzwischen ist es ein wichtiger und beliebter Bestandteil der Luzerner Weihnachtsmusiken.
Herzlicher Dank gebührt den Solistinnen und Solisten, dem Singalong-Orchester sowie Stephen Smith, der kurzfristig die musikalische Leitung übernahm und dem Abend mit grosser Souveränität und Engagement seine Handschrift verlieh. Ulrike Grosch gilt ein besonderer Dank für die Konzeption und ihr langjähriges Engagement für den Luzerner Singalong.
Auch die Sängerinnen und Sänger des Singalongchors trugen mit ihrem Engagement massgeblich zum Gelingen bei. Langanhaltender Applaus und Standing Ovation bildeten den würdigen Abschluss eines besonderen musikalischen Abends.
Foto: Kaspar Meier











